Schock beim Öffnen der FB-Nachrichten, eines Nachts im Juli: Eine verzweifelte Finderin bittet um Hilfe und schickt das Foto eines mit Leukoplast zusammengeklebten Mauerseglerkükens.
Drei Tage leide das Baby nun schon, und sie mit ihm, denn diese Behandlung des Tierarztes könne doch nicht stimmen!?
Sofortige entsetzte Antwort, und gleich am Morgen bringt die besorgte Finderin ihren armen Schützling zu uns. Es ist noch schlimmer als auf dem Foto. Das erst 3 Wochen alte Flauschküken ist um Schultern und Hals sowie an beiden Flügeln und Schwanz fest mit Klebeband zusammengeschnürt. Wer kommt bloß auf so eine Idee!? Die Finderin erzählt mit Tränen in den Augen von dem Tierarztbesuch und wie es ihnen beiden ergangen ist. Der Kleine ist inzwischen nur noch 22,1 gr leicht und hat sich fast aufgegeben …
Pecan – so wird das völlig verstörte und panisch verängstigte Küken bei uns genannt – ist eines der unzähligen Mauerseglerkinder, die wegen der mörderischen Hitze aus ihren Nestern gesprungen sind. Er wird am 12.07. in Rodgau gefunden, hat Glück und trifft auf einen Menschen, der sich sofort in den kleinen Kerl mit den riesigen Augen verliebt, sich sachkundig macht und Insekten einkauft. Der Finderin fällt auf, dass ihrgendwas mit dem linken Flügelchen nicht stimmt. Voller Sorge geht sie zum Tierarzt. Nun widerfährt Pecan ein schlimmes Schicksal: Um den Flügel „ruhigzustellen“, wird Pecan mit Leukoplast umwickelt – ein völliger Nonsense! Noch in der Tierarztpraxis insistiert die Finderin, wird aber rüde abgewiesen. Völlig verunsichert versucht sie dem völlig panischem Vogelkind weiterhin gerecht zu werden und spürt doch dauernd: Diese „Behandlungsmethode“ tut ihrem Schützling nicht gut. Sie traut sich aber auch nicht, den klebrigen Verband abzulösen, der schon binnen dreier Tage fatale Schäden anrichtet, denn er hindert die schnellwachsenden Federn am Schieben, so dass sie in den Federanlagen abzusterben beginnen.
So schnell wie möglich wird Pecan bei uns aus dem Klebe“verband“ befreit. Unvermeidlich bleibt ein Teil des Körpergefieders auf der Strecke, und die ersten nekrotisch gewordenen Schwungfedern fallen aus. Eine kleine Umfangsvermehrung am linken Flügel wird festgestellt (die auch ohne den Klebeblödsinn verheilt wäre!), instabil ist sie nicht, darum kümmern wir uns später.
Pecan wird notversorgt, in den nächsten Tagen aufgefüttert, er findet tröstliche Gesellschaft von neuen Geschwistern: Abandou, Aidan und Catweazle. Langsam verblasst seine Leidenszeit, doch scheu und ängstlich bleibt er. Der durch die Klebestreifen angerichtete Großgefiederschaden weitet sich aus, Pecan verliert fast alle Schwung- und Steuerfedern. Nach und nach wachsen Federn nach, allerdings keine guten; zu schwer sind die Federanlagen beschädigt.
Schiften wird notwendig sein, damit Pecan ins Training kann und wir endlich beurteilen können, ob aufgrund der alten Flügelläsion eine Lahmheit vorliegt oder nicht. Es wird noch dauern. Aber: Gerade Pecan hat seine Chance verdient nach allem, was er hinter sich hat! Seine Freunde Abandou und Aidan haben ebenfalls Gefiederschäden. Sie brauchen Unterstützung! Sie sitzen satt mit Grillen abgefüllt in ihrer gemütlichen Box und kuscheln. Sechs große dunkle Augen schauen uns schmelzend an, wenn wir in die Box sehen … wer kann da widerstehen?
Wenn Sie Pecan und seine Freunde mit Futtergeld unterstützen möchten, freuen wir uns sehr! Wer eine PN schickt, bei dem können wir uns mit einem Foto von Pecan, Aidan und Abandou bedanken.
Die Kontodaten sind: Deutsche Gesellschaft für Mauersegler e. V.
Frankfurter Sparkasse,
BLZ: 500 502 01, Konto: 200 163 175
IBAN: DE 30 500 502 010 200 163 175
Swift-Bic: HELADEF 1822
Wir sind dankbar über jede Art von Unterstützung, die wir bekommen können!
Wir nehmen nur Segler an!
Telefonische Anfragen zu anderen Fundvögeln bearbeiten wir nicht.
Wenden Sie sich dafür bitte an: Wildvogelhilfe.org/
Update 08.08.2026:
Die Abgabe von Mauersegler-Notfällen in der Mauerseglerklinik ist täglich zwischen 10 und 20 Uhr möglich, außerhalb dieser Zeiten nur nach Absprache. Sie erreichen uns über die E-Mail-Adresse info@mauersegler.com.
Mauersegler-Findlinge befinden sich nach Abzug der meisten Mauersegler jetzt meist in einem sehr schlechten Zustand und benötigen daher schnellstmögliche Hilfe! - Pfleglinge, die längere Zeit in Menschenhand waren, sowie Vögel mit Gefiederschäden können wir NUR nach vorheriger Anmeldung per E-Mail annehmen. Bitte fügen Sie dieser Anmeldung unbedingt aussagekräftige Fotos bei. Beachten Sie bitte, dass wir ausschließlich Segler aufnehmen können.
Singvögel und andere Vogelarten übernehmen wir definitiv NICHT, wenden Sie sich damit an die Facebookgruppe "Wildvogelhilfe Notfälle NEU".
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Update 12.07.2026:
Ein erster Silberstreif am Horizont: In den letzten 7 Tagen haben wir 106 Mauersegler in die Freiheit entlassen! Wir beginnen deshalb wieder, in begrenztem Umfang Notfälle aufzunehmen. Bitte nehmen Sie jedoch vor jeder Übergabe unbedingt per E-Mail Kontakt mit uns auf (info@mauersegler.com) und nennen Sie dabei alle relevanten Informationen: Fundort und Funddatum, Zustand und Verhalten des Vogels, Gewicht(falls bekannt) sowie eine Telefonnummer für Rückfragen.
Da wir weiterhin fast 400 Segler betreuen, bleiben Neuaufnahmen zunächst auf das Notwendigste beschränkt: Altsegler und verletzte Segler übernehmen wir immer. Fehlernährte Vögel und Patienten mit Großgefiederschäden müssen leider vorerst zurückstehen - für langsitzende Patienten haben wir aktuell noch keine Kapazitäten.
Sobald sich die Lage weiter entspannt, erfahren Sie es hier zuerst.
Vielen Dank für Ihr Verständnis - und für jede Spende, die uns durch diesen Sommer trägt.
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