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Egino - ein Schicksal im Hochsommer

Von Deutsche Gesellschaft für Mauersegler e.V. Von Facebook

Egino - ein Schicksal im Hochsommer

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Egino, kapitaler Altsegler aus dem schönen Bamberg, kann ein Liedchen davon singen. Mit den 5 größten Handschwungfedern eines Flügels in einen Rolladen zu geraten und hinterher auszusehen wie frisch gedauerwellt: Das riecht nach einem verdammt schlechten Tag. Wir raten jedem Mauersegler dringend davon ab, sein Brutglück im Rolladenkasten zu suchen, denn so eine Location ist brandgefährlich und wird ganz schnell zur Todesfalle. Das weiß Egino nun auch. Bei allem Hadern über seine missliche Lage hatte er noch Glück im Unglück. Er konnte sich befreien, wurde von wohlmeinenden Zeitgenossen in die Bamberger Pflegestelle verfrachtet und postwendend zum Schiften nach Frankfurt geschickt.

5 verzwirbelte Schwungfedern, kein Problem. Normalerweise. Aber wir hatten Hauptsaison! Eginos Abenteuer, das so rasant begonnen hatte, versandete in einer langweiligen Wohnbox mit einem noch langweiligeren Mitbewohner und geradezu empörend karger Verpflegung. Die Wochen zogen in tödlicher Sommerhitze dahin. Egino machte von sich reden als "der Segler, der immer so grimmig guckt" und "Halt den bloß gut fest!". Durch unablässige Toberei ergatterte Egino einen Platz auf dem Trainingsplan. Mir blutete das Herz. Nur 5 Federn! Aber wir fütterten fast 24/7 Akkord bei ca. 400 Seglern. Unmöglich...

Doch als Egino das nächste Mal aus der Box sprang und mir entgegenschlidderte, waren die Würfel gefallen. Am 20. Juli boxte ich mir Zeit frei, wackere Mitstreiter füllten die Lücke, passende Federn wurden gesucht und präpariert, Egino wurde geschiftet. Endlich wieder vollständig und wunderschön lag er wenig später in der Aufwachbox. Seine blitzenden Augen beim ersten Probeflug im Trainingszimmer zwei Tage später wogen alle Mühen auf: Das war kein Griesgram mehr! Am 23. Juli führte Egino eine Gruppe von 7 Jungseglern furios empor in den Himmel, und wir hoffen, dass sie für alle Zeiten dort oben glücklich fliegen.

Vier Wochen hat es dann noch gedauert, Eginos Geschichte endlich zu erzählen.